Der Mehrwert von E-Learning Systemen, ganz allgemein gesprochen, ergibt sich aus der Ermöglichung oder Stärkung von nicht-gleichzeitigen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten:
Bei traditionellen Unterrichtsmethoden müssen in der Regel Lernende und Lehrer zum gleichen Zeitpunkt im gleichen Raum sein. Plattformbasiertes Lernen hat seine Stärke darin, dass die Lernenden unabhängig von Ort und Zeit (asynchron) Informationen austauschen und miteinander kommunizieren können:
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Für unterschiedliche Lernende können so unterschiedliche Lernumgebungen zur Verfügung gestellt werden. Lernstärkere Schüler können sich bereits mit anspruchsvolleren Aufgaben ausneinandersetzen während Lernschwächere die Grundlagen vertiefen oder wiederholen (Binnendifferenzierung).
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Die Lernenden haben somit – sofern vom Tutor so vorgesehen – die Wahl zu bestimmen, wann, was und von wo sie lernen. (flexible and distance Ansatz).
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Die Lernenden können dadurch ihren Lernprozess in einem vorgegebenen Rahmen selbst steuern, sich (aber) gleichzeitig (auch) gegenseitig unterstützen und helfen. Hilfssysteme können einerseits in den Kursraum selbst eingebettet werden, andererseits erlauben es Foren auch Rückfragen zu genau dem Zeitpunkt zu stellen, an dem die Probleme beim Lernen auftauchen. Die Antworten müssen nicht vom Kursleiter kommen – die Lernenden können sich gegenseitig unterstützen, z.B. Antworten auf Fragen anderer Lernender in den Foren formulieren. (Betonung von Selbstorganisation).
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Darüber hinaus wird die Zusammenarbeit insgesamt erleichtert, was sich vor allem bei projektförmigen Unterricht (und Arbeitsunterricht) in Verknüpfung mit Praxisaufgaben positiv bemerkbar macht. (Termin- und Dokumentenmanagement)
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Dazu kommt, dass bei den meisten E-Learning Systemen multimediale Inhalte über spezielle Filter eingebunden werden können (mehrkanaliges Lernen).
Insgesamt entscheidend ist aber nicht das E-Learning System an sich – Lernplattformen haben sowohl Medien- wie auch Methodencharakter – , sondern die konkrete Umsetzung im Rahmen eines Kursraumes und dessen Einbindung in den konkreten Unterricht.
Sicherlich lassen sich einige der genannten Vorteile auch auf konventionellem Weg herstellen:
So müssten z.B. für den Austausch von Gruppenarbeitsergebnissen und deren anschließende Kommentierung durch Schüler wie Lehrer im Rahmen eines traditionellen Unterrichts mehrere von Hand kopierte Versionen der Schülertexte, nachdem diese um Anmerkungen ergänzt wurden, immer wieder neu kopiert und ausgeteilt werden, wobei immer alle zur gleichen Zeit im gleichen Raum anwesend sein müssten, um zusammenarbeiten und zusammen arbeiten zu können.
Auf einer Plattform wie z.B. Moodle stellen die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse den anderen z.B. durch Upload eines Dokumentes zur Verfügung, die dann zeitlich und räumlich unabhängig voneinander ihre Kommentare und Bewertungen abgeben (z.B. in einem Forum) oder sogar direkt in die Dokumente einarbeiten können (z.B. in einem Wiki oder über ein Online Tool wie Google Text&Tabellen). Hierzu sind dann weder Kopierer nötig, noch müssen immer alle zur gleichen Zeit am selben Ort die gleichen
Arbeitsschritte ausführen.
Der Einsatz einer Plattform allein wird aber nicht, quasi automatisch, zu einem wie auch immer gearteten Mehrwert, zu besseren Lernergebnissen oder besseren Noten führen. Das möchte ich deutlich betonen.
Der Blick auf Bildung ist bei allen Beteiligten vom Frontalunterricht und einer traditionellen Lehrerrolle als Allwissendem geprägt, so dass ein programmierter Unterricht von einer großen Zahl von Lernenden auch erwartet wird. Dieser ist jedoch für die Arbeit in virtuellen Netzen ungeeignet, weil der Prozess der Wissensaneignung zum einen häufig nicht formalisierbar ist, zum anderen, weil virtuelle Lerngruppen anderen sozialen Gesetzmäßigkeiten folgen als Gemeinschaften, die sich im Klassenzimmer begegnen (face to face Gemeinschaften). Der Lehrende hat in virtuellen Umgebungen ganz andere Aufgaben, z.B. die der Moderation des Lernprozesses, also als Lernermöglicher (Ermöglichungsdidaktik, vgl. Arnold, Lernkulturwandel und Ermöglichungsdidaktik, 2003, S. 23ff.) zu fungieren.
Dazu kommt auch, dass bei einer nicht unbeträchtlichen Anzahl an Lernenden eine Konsumhaltung zu konstatieren ist. Aus lernphysiologischer Sicht führt dies zu kurzer Behaltendauer und der Unmöglichkeit, das Wissen zur Lösung beruflicher Problem- oder Handlungssituationen zu nutzen. Die berufliche Handlnugskompetenz wird unzureichend erreicht. Durch Binnendifferenzierung, gezielter Förderung und Zulassen von Selbstbestimmung im Lernprozess wird die Fähigkeit des Schülers, Wissen zu erarbeiten und situationsgerecht im konkreten Handeln (optimal) unterstützt.
Hier bieten Lernplattformen die Möglichkeit, den Lernprozess selbständig zu steuern und Kompetenzziele auf unterschiedlichen Arbeitswegen zu erreichen (z.B.: unterschiedliche formen der Ausarbeitungen, Präsentationen). Selbstbestimmung definiert sich für viele nur als Möglichkeit dem Lernprozess in der Gruppe beizuwohnen – oder auch nicht. Selbstbestimmung wird nicht als Chance gesehen, sich selbst zum Lehrenden zu machen. Virtuelle Lernsysteme werden aber ohne aktive Lieferung von Inhalten (Dokumente, Beiträge in Foren und Wikis) durch die Lernenden nicht funktionieren können, weil die Stärke von Netzwerken gerade im Verteilen von Aufgaben auf die gesamte Gruppe liegt.
Die Offenheit des Lernprozesses im Netzwerk – bis hin zur Verhandelbarkeit der Lernziele – und die notwendige Identifikation mit dem Lerngegenstand verhindert zwar die “Entfremdung vom Lerngegenstand”, überfordert die Beteiligten aber auch häufig.
Es kann deswegen gerade nicht darum gehen, Spiegelbilder existierender Lernarrangements zu entwickeln und diese mit einem neuen technischen Hochglanzformat zu überziehen (z.B. multimediale Lern – DVDs als Lehrbuchersatz), sondern virtuelle Lernumgebungen müssen sich die in den Netzwerken liegenden eigenen Möglichkeiten erschließen.
Damit steht bei der Entwicklung von Lernplattformen nicht die technischen Umsetzung und Machbarkeit im Vordergrund, sondern die Vereinbarungen der Lerngruppe. Der Mehrwert von E-Learning Systemen liegt damit weniger in einer Verkürzung der Lernzeiten für die Schüler oder einer Reduktion der Vorbereitungszeit für die Lehrer, als vielmehr der Unterstützung eines kooperativen und zieloffenen Lernprozesses.
Darüber hinaus bietet die Lernplattform die Möglichkeit, dass Inhalte und Aufgaben beliebig oft vom Schüler wiederholt werden können und zu festigen. Testmodule stellen sicher, dass z.B. die Fachinhalte beherrscht werden. Jeder Schüler kann angehalten werden, diesen Test mit einer Mindestleistung zu bestehen. So wird die Kluft zwischen einem offeren Lernprozess und Erreichung gleicher Lernergebnisse geschlossen. Bei Lernproblemen kann der Moderator/Lehrer helfend eingreifen oder die Schüler unterstützen sich auch gegenseitig in Lerngruppen oder Foren.
Virtuelles Lernen wird auch nicht isoliert betrachtet werden können, sondern wird Teil eines Lernarrangements, in dem vor allem den face to face Phasen eine zentrale Bedeutung zukommt.
Die Literatur nennt das blended learning. Damit wird unter E-learning weniger eine neue mediale Qualität verstanden, als vielmehr eine neue Methode des Lernens geprägt, die sich am Konstruktivismus orientiert. Lernen in Netzwerken fordert die Lernenden dazu auf, ihren Lernprozess selbst in die Hand zu nehmen.
Der Schüler steht hier im Mittelpunkt des Unterrichts – die Lehrenden fördern, betreuen, helfen und kümmern sich um die Rahmenorganisation, treten also keineswegs komplett von der Bühne ab. Ein E-Learning System trägt dazu bei, dass sich diese moderne Form von Unterricht leichter organisieren lässt – mehr nicht.